Hat zum jetzigen Zeitpunkt jemand Erfahrungen? Ich bin in einer ähnlichen Situation wie die Fragestellerin und weiß nicht, wie ich den richtigen 24h Pflegedienst finden soll. Mir wird immer gesagt ich solle mich ‘informieren’, aber was soll das bedeuten.. Ich bin total überfordert und würde gerne wissen, wie ihr eure Pflegestellen gefunden habt?
Hallo Karli,
habt ihr für einen Pflegedienst schon eine Verordnung? Wenn ja, dann kann diese auch direkt bei der Krankenkasse eingereicht werden, um diese für die Suche zu beauftragen.
Meine Frage ist, ob es bei euch um Kinder oder jungen Erwachsene geht, dann ist eine weitere Anlaufstelle der Bundesverband Häusliche Kinderkrankenpflege. Diese haben eine Auflistung ihrer Mitgliedsdienste:
https://www.bhkev.de/mitglieder.html
Ein weiterer Schritt wäre, ob ihr bei euch in der Region einen Pflegestützpunkt habt. Dann diesen anfragen.
Wenn ihr einem MZEB oder SPZ angeschlossen seit, dann die dortige Sozialarbeit anfragen oder eurer betreundes Krankenhaus, den Sozialdienst. Diese kennen auch die regionalen Pflegedienste.
Mit Gruß, Dirk
Hallo Dirk, danke für deinen Beitrag.. Entschuldige die späte Antwort meinerseits, seit Dezember streiche die Tage nur so ins Land und ich versuche einfach Schritt zu halten. Dabei geht leider so einiges unter.. Also: Vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung. Ich greife deine Fragen gern auf.
Bei mir/uns geht es um einen jungen Erwachsenen, der aktuell zu Hause versorgt wird. Eine Verordnung für häusliche Krankenpflege liegt grundsätzlich schon vor, aber genau an der Stelle hakt es eben: Wir wussten lange nicht, wie wir von der Verordnung dann tatsächlich zu einem passenden Pflegedienst kommen sollen, also: bzw. wer uns dabei konkret unterstützt.
Ein Pflegestützpunkt ist bei uns inzwischen kontaktiert, der Austausch läuft aber dabei eher schleppend, weshalb wir dementsprechend parallel versuchen, selbst besser zu verstehen, welche Formen ambulanter Pflege überhaupt realistisch sind (z. B. regelmäßige Einsätze vs. 24-h-Modelle).
Hab einige Artikel und Beiträge gefunden, die ich als hilfreich einschätze und gerne hier lasse.
Ah: An ein MZEB/SPZ sind wir aktuell nicht angebunden, das betreuende Krankenhaus ist jedoch involviert .. der Sozialdienst dort ist eine der nächsten Stellen, die wir noch einmal gezielt ansprechen wollen.
Falls du oder andere hier noch Hinweise habt, worauf man bei der Auswahl eines Pflegedienstes besonders achten sollte (gerade bei jungen Erwachsenen), wäre ich sehr dankbar.
Viele Grüße
Hallo Karli,
ich selbst bin auch nicht der Schnellste im Antworten; wir sind mit einer außerklinischen Pflege zu Hause häufig in einer hoch belastenden Situation, die einiges abfordert.
Daher vielen Dank für die Antwort.
Bei der Auswahl des Pflegedienstes: Es gibt ein paar Eckpunkte, die einen Rahmen bilden können:
a.) Bei Kindern und jungen Erwachsenen ist es wichtig, dass sich die pflegenden Eltern und die Pflegefachkräfte auf Augenhöhe begegnen. Dies fängt damit an, dass mit euch zusammen der Pflegeplan erarbeitet wird und gegebene, vorgefertigte Pflegestandards auf eure Situation angepasst werden.
b.) Einarbeitung von neuen Mitarbeiter:innen findet strukturiert statt, zum Beispiel mit einem Einarbeitungsbogen; bei Kindern und jungen Erwachsenen ist dabei auch wichtig, dass die Einarbeitung auch überall dort stattfindet, wo das Kind / junge Erwachsene lebt, z.B. Schule, oder bei Ausflügen. Dies ist wichtig, denn es ist herausfordernd für die Pflegekräfte, auch außerhalb des „Pflegebettes“ zu AKI umzusetzen.
Die Dauer einer Einarbeitung ist nicht gleich vorhersehbar; es kann wenige Wochen dauern, manchmal auch länger.
Bei uns gibt es zum Start eine Einarbeitung von Pflegekraft zu Pflegekraft, mindestens einen Monat bei einer Vollzeitkraft, doch für die Feinheiten rechnen wir mindestens ein halbes Jahr bis Jahr.
Dies bedeutet unter anderem, dass wir erst selbst die Pflegefachkraft vollständig alleinlassen mit unserer Tochter, wenn die Pflegekraft sich sicher fühlt und wir auch.
c.) Es gibt eine strukturierte Pflegedokumentation, die für euch auch transparent und verständlich ist bzw. euch auch erklärt wird, z.B. wenn Grundpflege und Behandlungspflege zusammenfallen.
d.) Klarheit, wer das Sorge- bzw. Betreuungsrecht hat und somit entscheidet, wenn medizinische Fachfragen aufkommen (und sie gibt es immer); die Pflegefachkraft hat eine Aufklärungspflicht, insbesondere wenn ihr Empfehlungen nicht zustimmen wollt, z.B. wird jetzt noch einmal inhaliert, weil das Sekret so fest ist, und ihr sagt aber, ihr wollt zuwarten. Oder ob jetzt die Bedarfsmedikation, z.B. ein Mittel gegen Schmerzen, gegeben wird oder nicht.
Dieses zuletzt genannte Feld birgt schnell Konflikte und Unsicherheiten. Deshalb braucht es diese Klarheit, die auch von der Pflegedienstleitung getragen wird und die ihr tragen könnt.
Doch an sich muss man auch Erfahrungen sammeln und es auf sich zukommen lassen. Der Pflegedienst sollte in den ersten Gesprächen immer auch klar formulieren, was ihr von dem Dienst und der Arbeit der Pflegekräfte erwarten könnt. Sie müssen euch aufklären, welche Kosten neben Krankenkasse und Pflegekasse entstehen könnten, und ggf. aufzeigen, wie es gelöst wird.
Auch müsst ihr wissen, was ihr neben dem Pflegedienst leisten wollt. Zum Beispiel machen viele Eltern die Grundpflege selbst, weil sie das Pflegegeld selbst benötigen. Dafür braucht es eine gute Abstimmung und Aufklärung, auch das Wissen, wie es umsetzbar ist.
Ich freue mich, wenn hilfreiche Beiträge auch hier verlinkt werden.
Mit Gruß und viel Erfolg,
Dirk
Puh, das geht in unserer Zeitrechnung ja wie nix hier
Danke dir erneut - deine Antwort hat bei uns wirklich nachgehallt. Ein paar Dinge haben sich leiser sortiert. Gerade das, was du zur Einarbeitung schreibst, zur gemeinsamen Sicherheit (auf beiden Seiten) und zu der notwendigen Klarheit bei Entscheidungen.. hilft uns, die eigenen Bauchgefühle etwas ernster zu nehmen. Dieses „auf Augenhöhe arbeiten“, wovon du sprichst, ist für uns tatsächlich auch ein Kernpunkt. Vielleicht auch, weil wir gerade einfach merken dürfen, wie schnell man sonst in eine Rolle rutscht, in der man nur noch reagiert. Dein dahingehender Hinweis, dass Pflegestandards auch angepasst werden müssen - und dürfen! - fühlt sich da fast wie eine Erlaubnis an. Puh..
Wir sind da echt mitten im Prozess, vieles parallel, manches zäh.
Dir nochmals danke fürs Teilen eurer Erfahrungen! Es hilft wirklich sehr, das Gefühl zu haben, nicht alles neu erfinden zu müssen.
Viele Grüße
Karli
Hallo Karli,
Bitteschön.
Ich hoffe sehr, dass der Pflegedienst auch dementsprechend tickt; aus Erfahrung und Wissen bei mir und anderen Familien, kann es manchmal so eine Art „Zweiteilung“ geben:
– Pflegedienstleitung (PDL)
– Pflegeteam bei euch Zuhause
Manchmal klappt es nicht so mit der PDL, aber dafür kann man mit dem Team auf einer guten Basis arbeiten.
Anbei: Wir haben ja im Forum einen geschützten Bereich nur für Betroffene und Eltern. Der kann nicht von den Suchmaschinen indiziert werden und ist nicht ohne Mitgliedschaft von außen lesbar.
Dort können wir auch „ungestört“ über sensible Themen schreiben, die jetzt nicht der PD lesen sollte – manche verstehen schnell was falsch, insbesondere wenn jemand nur mal Dampf ablassen will.
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Mit Gruß, Dirk