Hallo Sanne
Ja, das ist ein unbefriedigendes Thema, weil die (sicher sinnvollen) umfangreichen Schutzmaßnahmen in der Klinik doch viel Unsicherheit aufkommen lassen, wie gefährlich ein MRSA im öffentlichen Leben ist.
Ich hab hier noch mal ein paar Antworten aus mrsa-net zusammengstellt. http://www.mrsa-net.org/DE/faq.html#8
"12. Kann MRSA sich ausbreiten?
Ja. MRSA kann auf andere Patienten überragen werden. Häufig verliert sich der MRSA wieder von der Haut. Nur wenn jemand eine verletzte Haut (Wunden u.a.) hat oder sehr krank ist und zusätzlich ein schwaches Immunsystem hat kann es zu einer Infektion kommen. Die einfache Übertragung reicht in der Regel nicht aus, damit MRSA dauerhaft auf der Haut des „Empfängers“ bleibt, was wiederum Voraussetzung für weitere Übertragungen wäre und durch die regelmäßige Händedesinfektion nicht kontrollierbar ist. Dies geschieht bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren. Nicht der einfache Träger, sondern der „Überträger“ oder „Spreader“ ist epidemiologisch von Interesse. Da Patienten im Krankenhaus nicht selten mehrere Risikofaktoren besitzen, übertragen sich MRSA zwischen Patienten im Akutkrankenhaus am einfachsten.
Noch einmal mit aller Deutlichkeit!: Vorsicht!, lassen Sie sich nicht zu dem Gedanken verleiten, dass sich MRSA bei jedem nur erdenklichen Kontakt übertragen lässt. Alle Überlegungen hierzu sind meist theoretischer Natur und übersehen, dass die Übertragung eines MRSA-Erregers nicht mathematischen, sondern biologischen Gesetzmäßigkeiten folgt und folgende Grundvoraussetzungen notwendig sind:
1.Ausreichende Zahl auf der Haut des MRSA-Trägers,
2.Direkter und wiederholter Kontakt (Exposition) mit kolonisierten Körperoberflächen des MRSA-Trägers,
3.Übertragung ausreichend vieler MRSA-Bakterien vom einen zum anderen Patienten,
4.Erreichen der Haut/Scheimhaut des Kontaktes,
5.Konversion von transienter zu permanenter Flora durch Vermehrung und Durchsetzung auf der Haut der Kontaktperson,
6.Vorliegen von Risikofaktoren bei der Kontaktperson (Antibiotika, Wunden, Katheter etc.).
Sie sehen, die Übertragung von MRSA ist bei einmaligem Kontakt kaum möglich. Die Wahrscheinlichkeit steigt bei häufigem und intensiven Kontakt oder wenn aufgrund medizinischer Maßnahmen (endotracheales Absaugen bei Besiedlung der Lungen) sehr hohe Mengen an MRSA freigesetzt werden. Aus diesem Grund sind besondere Schutzmaßnahmen im Krankenhaus notwendig.
MRSA kann zwar in der Umgebung überleben und von dort auf die Haut eines Menschen gelangen. Hierzu ist jedoch auch wieder ein häufiger, mehrmals täglicher Kontakt notwendig. Diese Situation findet sich nur in Gemeinschaftseinrichtungen. Dort sind aus diesem Grund besondere Flächendesinfektionsmaßnahmen notwendig."
“22. Kann mein Kind MRSA bekommen, wenn es sich in der Nähe eines MRSA-Trägers befindet?
Gesunde Personen, inklusive Kinder habe ein verschwindend geringes Risiko eine MRSA-Infektion zu bekommen. Lediglich bei so genannten community acquired MRSA Verweis auf externe Website [CA-MRSA], sind besonders Kinder und Jugendliche gefährdet. Diese MRSA sind jedoch nicht mit den herkömmlichen, im Krankenhaus erworbenen MRSA zu verwechseln. Sie finden sich nicht bei Alten und Kranken, sondern bei jungen Menschen, die vorher nicht im Krankenhaus gewesen sind.”
Zum Thema Screening außerhalb der Klinik:
“33. Wann muss Personal auf MRSA hin untersucht werden?
Gesundes Personal muss nur dann auf MRSA untersucht werden, wenn es MRSA-Überträger ist. Dies kann im Krankenhaus, seltener im Alten- /Pflegeheim notwendig sein. In der Arztpraxis, im Krankentransportdienst und zu Hause ist ein vorbeugendes Screening von Personal weder sinnvoll noch hygienisch notwendig. Nochmal in aller Deutlichkeit! Nicht der kurzzeitige MRSA-Träger, sondern der echte MRSA-Überträger ist von Bedeutung und sollte vom MRSA saniert werden. Ein routinemäßiges Screening von Personal oder Screening direkt nach MRSA-Kontakt macht daher keinen Sinn. Hier besteht die Gefahr, dass zufällige Kurzzeitträger identifiziert werden, die nach wenigen Tagen bereits keine Träger mehr sind und damit MRSA auch nicht streuen können. Aus diesem Grund sollten MRSA-Erstisolate von Patienten im Krankenhaus spa typisiert werden. Kommen zwei oder mehr MRSA mit identischem spa-Typ auf einer Station vor ohne dass ein anderer plausibler Grund für die Übertragung (z.B. gleiche(s) Zimmer/Nasszelle) vorliegt, dann liegt es nahe, dass ein MRSA-Überträger auf der Station arbeitet. In diesem Fall ist ein Screening des als Überträger in Frage kommenden Personals sinnvoll. Mit dieser Vorgehensweise kann viel Geld gespart und Ärger von Personal fern gehalten werden.”
Zum Thema Hygiene in der Häuslichkeit:
“19. Müssen bei Entlassung eines MRSA-Patienten besondere Schutzmaßnahmen beachtet werden?
1. Krankentransport
Während des Krankentransports ist eine Übertragung auf das Personal nur möglich wenn es zu intensivem Kontakt oder direkte Exposition des Personals bei Verbandwechsel oder Intubation kommt. Aus diesem Grund ist nur bei diesen zuletzt genannten Situationen ein Mundschutz durch das Personal zu tragen. (Ausnahme: Aufenthalt im MRSA-Patientenzimmer). Ansonsten ist nur bei direktem Kontakt das Tragen von Handschuhen und eines Schutzkittels erforderlich. Nach Ausziehen der Schutzkleidung ist eine sofortige Händedesinfektion erforderlich. Das Tragen von weißen flüssigkeitsdichten Schutzoveralls mit Kapuze und Atemhalbmaske/Mundschutz sind beim Transport von MRSA-Patienten zu unterlassen. Der übertriebene Schutz führt zur Verunsicherung von Angehörigen oder Mitbewohner und zu unnötigen Kosten. Diese sollten gezielt zum konsequenten Einhalten von Standardhygiene, Händedesinfektion und Fortbildung genutzt werden.
2. Alten-/ Pflegeheime
Zum Umgang mit MRSA-Trägern im Alten-/Pflegeheim liegen klare Empfehlungen der KRINKO Kommission am RKI vor. MRSA-Träger müssen nicht grundsätzlich isoliert gepflegt werden, situationsangepasste Hygienemaßnahmen reichen aus und erweiterte Maßnahmen sind nur in seltenen Fällen bei direktem Kontakt notwendig. Die konsequente Weiterführung einer Sanierungstherapie steht im Vordergrund. Diese kann zunächst in der Heilung der Grunderkrankung (Wunde, Decubitus) bestehen, bis die eigentliche MRSA-Sanierung (s.o.) erfolgt. Verweis auf externe Website [Weitere Erläuterungen des Robert-Koch-Institutes (RKI)]
3. Arztpraxis
Auch in der Arztpraxis sind in keinem Fall Maßnahmen wie im Krankenhaus notwendig. Hier ist eine gute Praxislogistik (MRSA-Patient nicht im überfüllten Wartezimmer warten lassen) und konsequente Standardhygiene (u.a.) Händedesinfektion) erforderlich [Link]. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf der konsequenten Weiterführung einer Sanierungstherapie. Diese kann zunächst in der Heilung der Grunderkrankung (Wunde, Decubitus) bestehen, bis die eigentliche MRSA-Sanierung (s.o.) erfolgt. In jedem Fall muss eine Erfolgskontrolle der endgültigen MRSA-Sanierung erfolgen.
4. zu Hause
Träger von klassischen MRSA, die im Krankenhaus erworben werden, stellen für ihre Angehörigen keine Gefahr dar. Kontaktpersonen, die offene Wunden haben oder stark immunsupprimiert sind, sollten die persönliche Hygiene – nicht nur wegen des MRSA- peinlich einhalten. Schwangere sind nicht besonders gefährdet und sollten neben guter persönlicher Körperhygiene nach Kontakt mit einem MRSA-Patienten die Hände waschen. Verweis auf externe Website [Weitere Erläuterungen des Robert-Koch-Institutes (RKI)]
5. Beim ambulanten Pflegen oder der häuslichem Pflege
Allgemein sind die Maßnahmen analog zur Heimrichtlinie anzuwenden. Beim direkten Umgang mit infizierten Wunden, Sekreten, Stuhl etc. sollten Schutzmaßnahmen wie Handschuhe angewendet und eine anschießende Händedesinfektion durchgeführt werden. Bitte Fragen Sie hierfür im Einzelfall den behandelnden Arzt, einen Hygieniker/Mikrobiologen oder das MRSA-net Helpdesk. Verweis auf externe Website [Weitere Erläuterungen des Robert-Koch-Institutes (RKI)]”
Mein Fazit:
- Entspannt und selbstbewusst zurücklehnen. In jeder Schule und Kindergarten sind zu jeder Zeit Keime unterwegs. (Ich mag gar nicht an die Schultoilette in unserem Gymnasium denken … ) Besonders gefährdete Personen müssen sich grundsätzlich auf diese Tatsache einstellen. Ein MRSA ist in erster Linie nicht krankmachender wie ein nicht resistenter Stapylokokus.
- Risikoanalyse: Gibt es im Umfeld ernsthaft gefährdete Personen? (schwerstkrank, stark immungeschwächt) Wenn ja, kann man den direkten Kontakt minimieren?
- Hygienemaßnahmen überdenken: Handschuhe und Händedesinfektion (vor und nach dem Kontakt mit Sekreten) sollten für professionell Pflegende eine Selbstverständlichkeit sein. In öffentlichen Einrichtungen (Schule/Kindergarten) Schnelldesinfektion der benutzten Flächen (Desinfektionstücher) andenken.
Liebe Grüße
Toni Huber