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Außerklinische Intensivpflege & Gewaltfreie Kommunikation – Du bist der Chef:in in deinem Zuhause

  • DirkStr
  • 23. August 2025 um 14:17
  • 317 Mal gelesen
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Drei Monate Klinikaufenthalt samt Reha liegen hinter euch und kaum bist du mit einen Intensivkind Zuhause gibt es Ärger. Die Beatmung surrt, der Monitor piebt und die Pflegefachkraft vom Pflegedienst für außerklinische Intensivpflege (AKI), meint, was zu tun sei. Du wirst unsicher und fragst dich, ob du Zuhause nicht mehr die Kontrolle hast. Du denkst: „Ich will nicht, dass mein Kind abgesaugt wird, wenn ich nichts brodeln höre oder mit der Hand auf Brust spüre.“ Und plötzlich sitzt du im Wohnzimmer, während die Pflegekraft an der Tür steht und dir Anweisungen gibt. Was machst du?

Streit der Mutter mit der Pflegefachkraft
Streit der Mutter mit der Pflegefachkraft

1. Wer hat das Sagen?

Du und deine Partnerin oder dein Partner sind die Manager:innen eures Hauses. Das bedeutet nicht, dass ihr die Pflegekräfte bevormunden, sondern dass ihr die Rahmenbedingungen festlegt:
- Hausordnung (z. B. wann die Pflegekraft kommt, welche Geräte benutzt werden dürfen)
- Kommunikationsregeln (wie und wann ihr euch austauscht)
- Entscheidungsbefugnis (z. B. bei Notfällen, wann ihr einen Arzt rufen wollt)

Wenn ihr diese Rolle klar definiert, könnt ihr die Pflegekraft als Dienstleister sehen, der euch unterstützt, nicht als „Chef:in“ im klassischen Sinne.

Um gut mit den Pflegefachkräften, den Ärzt:innen oder auch Therapteut:innen zu sprechen, zu kommunizieren gibt es ein gutes Werkzeug: Die gewaltfreie Kommuniktion (GfK).

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2. Was ist Gewaltfreie Kommunikation (GFK)?

GFK ist ein Kommunikationsmodell, das von Marshall Rosenberg entwickelt wurde. Es hilft, Konflikte zu vermeiden und Missverständnisse zu klären, ohne dass sich jemand angegriffen fühlt. Die vier Schritte sind:

Schritt Was du tust Warum das hilft
Beobachtung Beschreibe, was passiert, ohne zu bewerten. Verhindert Schuldzuweisungen.
Gefühl Sag, wie du dich fühlst. Zeigt deine Emotionen, ohne den anderen anzugreifen.
Bedürfnis Erkläre, welches Bedürfnis dahinter steckt. Verbindet Gefühl und Handlung.
Bitte Formuliere eine konkrete, umsetzbare Bitte. Gibt dem Gegenüber einen klaren Handlungsrahmen.

Beispiel:
„Ich habe bemerkt, dass du gerade das Absaugen gestartet hast, obwohl ich keine Veränderung im Atem deines Kindes sehe. Ich fühle mich besorgt, weil ich das Bedürfnis habe, dass wir nur dann absaugen, wenn es wirklich nötig ist. Könntest du bitte vorher mit mir abklären, ob das Absaugen wirklich erforderlich ist?“

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3. Warum GFK in der Intensivpflege?

  • Reduziert Missverständnisse – Pflegekräfte haben oft einen strengen Ablaufplan. GFK hilft, eure Bedenken einzubringen, ohne dass sie sich angegriffen fühlen.
  • Stärkt die Beziehung – Wenn ihr euch respektvoll austauscht, entsteht Vertrauen.
  • Ermöglicht Entscheidungen – Ihr behaltet die Kontrolle über wichtige Entscheidungen, ohne die Pflegekraft zu überfordern.
  • Verringert Stress – Konflikte führen zu zusätzlichem Druck. GFK schafft Klarheit und Ruhe.

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4. Schritt-für-Schritt: Ein Gespräch mit der Pflegekraft

  1. Vorbereitung
  2. Notiere dir, was du ansprechen möchtest.
  3. Überlege dir, welche konkreten Fragen du hast (z. B. „Wann ist das Absaugen wirklich nötig?“).
  4. Beobachtung
  5. „Ich habe gesehen, dass du gerade das Absaugen gestartet hast.“
  6. Gefühl
  7. „Ich fühle mich beunruhigt.“
  8. Bedürfnis
  9. „Ich brauche Sicherheit, dass wir nur dann absaugen, wenn es wirklich notwendig ist.“
  10. Bitte
  11. „Könntest du mir bitte erklären, warum das Absaugen gerade jetzt nötig ist? Oder könnten wir vorher gemeinsam entscheiden?“
  12. Aktives Zuhören
  13. Lass die Pflegekraft antworten.
  14. Wiederhole kurz, was du verstanden hast: „Wenn ich richtig verstehe, ist das Absaugen wegen…“
  15. Gemeinsame Lösung
  16. Schlage eine Lösung vor: „Wie wäre es, wenn wir einen Plan erstellen, wann wir absaugen, und ich kann dich vorab informieren?“
  17. Abschluss
  18. Bedanke dich für die Zusammenarbeit.

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5. Praktische Tipps für den Alltag

Situation GFK‑Ansatz Tipp
Unklarer Pflegeplan Beobachtung + Bitte „Ich habe den Plan nicht ganz verstanden. Kannst du mir bitte die wichtigsten Punkte erklären?“
Unangemessene Geräusche Gefühl + Bedürfnis „Ich fühle mich gestresst, weil das Gerät laut ist. Ich brauche Ruhe, damit mein Kind sich entspannen kann.“
Notfall Beobachtung + Bitte „Ich sehe, dass das Kind Atemprobleme hat. Bitte ruf sofort den Arzt an.“
Selbstständigkeit fördern Bedürfnis + Bitte „Ich möchte, dass mein Kind lernt, seine Atemwege zu kontrollieren. Kannst du mir Übungen zeigen?“

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6. Was du nicht tun solltest

  • Nicht beschuldigen – „Du machst das falsch!“
  • Nicht emotional werden – „Ich bin wütend, weil du das nicht machst!“
  • Nicht vage bleiben – „Mach das einfach anders.“
  • Nicht die Verantwortung abgeben – „Du bist die einzige, die das tun kann.“

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7. GFK in der Praxis: Ein kurzes Rollenspiel

Elternteil: „Ich habe bemerkt, dass du gerade das Absaugen gestartet hast, obwohl ich keine Veränderung im Atem deines Kindes sehe oder Pulsoxy gepiept hat. Ich fühle mich besorgt, weil ich das Bedürfnis habe, dass wir nur dann absaugen, wenn es wirklich nötig ist. Könntest du bitte vorher mit mir abklären, ob das Absaugen wirklich erforderlich ist?“

Pflegekraft: „Ich habe das Absaugen gestartet, weil der Monitor einen niedrigen Sauerstoffwert anzeigt.“

Elternteil: „Danke, dass du das sagst. Ich verstehe, dass der Monitor wichtig ist. Ich würde gerne, dass wir gemeinsam entscheiden, ob das Absaugen wirklich nötig ist, damit wir das Kind nicht unnötig belasten. Wie klingt das für dich?“

Pflegekraft: „Das klingt gut. Wir können das gemeinsam besprechen.“

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8. Fazit

  • Du bist der Chef:in in deinem Zuhause, aber nicht im herkömmlichen Sinne.
  • GFK ist ein Werkzeug, das dir hilft, deine Bedürfnisse klar zu kommunizieren, ohne die Pflegekraft zu überfordern.
  • Klare Kommunikation reduziert Stress, stärkt die Beziehung und sorgt dafür, dass dein Kind die bestmögliche Pflege erhält.

Denke daran: Es geht nicht darum, die Pflegekraft zu kontrollieren, sondern gemeinsam ein Umfeld zu schaffen, in dem dein Kind sicher und gut betreut ist. Mit GFK hast du ein praktisches, respektvolles Mittel, um das zu erreichen.

Du hast die Kontrolle – und das ist ein großer Vorteil für dich und dein Kind.

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